24. Mai 2026
Ein Kurzkrimi aus dem Tannentaler
Die Sache mit dem SparWas-Coup
»Also«, Bärbel blieb ohne Vorwarnung stehen, und Emma und Roxy liefen fast in sie hinein, »ihr wollt tatsächlich da rein?«
Emmas eine beste Freundin von zwei zeigte auf die unscheinbar winzige Hintertür. Die lag an der Seite des großen, flachen Gebäudes. Das Licht der Straßenlampe gegenüber dem schmalen Hof erreichte sie kaum.
»Rein und wieder raus«, sagte Emma. »Zwanzig Minuten.«
»Und wenn nicht?«
»Dann dreißig.«
Bärbel sah sie an. Dann sah sie Roxy an, die die Arme verschränkt hatte und ungeduldig die dunkle Gegend musterte. Dann sah Bärbel wieder Emma an.
»Erzähl mir alles von Anfang an«, sagte sie.
Emma seufzte. Sie hatten Bärbel zufällig getroffen, als sie und Roxy das Mietshaus verließen. Bärbel hatte sich gewundert, dass Emma und Roxy beide schwarz gekleidet waren. Bei Roxy war das ja nichts Besonderes, aber bei Emma schon. Sie hatte sich den beiden kurzerhand angeschlossen und jetzt standen sie hier, an der abgewandten Seite eines Supermarktes.
»Gerd Bloch, der Leiter von dieser SparWas-Filiale, hat Heidi Triebswetter angezeigt«, fing Emma an. »Die ist grade mal in der siebten Klasse. Angeblich hat sie zwei Tüten Chips gestohlen. Welte, unser heldenhafter Polizeichef, hat sie persönlich vom Markt abgeholt und den Eltern übergeben. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass er dem Mädchen Handschellen angelegt hat. Hat er zum Glück nicht. Aber die Nachbarn haben das Polizeiauto gesehen. Heide war heute im Café. Sie schwört, dass sie nichts geklaut hat, aber niemand glaubt ihr. Und die Nachbarn sehen sie jetzt schräg an.«
Bärbel stemmte die Hände in die Hüften. »Und du glaubst ihr.« Das war keine Frage.
»Ich glaube, dass Bloch diesen Aufriss macht, um zu beweisen, dass seine Kameras funktionieren. Tun sie aber nicht.«
»Und warum glaubst du das?«
»Weil ich erstens Bloch kenne, und zweitens Tina Wehrle sagt, die ist hier an der Kasse, also die sagt, dass Bloch zu geizig ist für anständige Sicherheitstechnik«, sagte Emma. »Sie meint, das sind hundertprozentig nur Plastikdinger aus dem Internet, an die Wand geschraubt. Kein Kabel, kein Chip, nichts. Leere, aufgeblasene Hüllen wie Bloch selbst. Er hat das Mädchen angezeigt, damit die Leute glauben, dass das Zeug funktioniert.«
Bärbel blickte über den verlassenen, dunklen Parkplatz. Hier an der Seite des Sparmarktes gab es nur vier Parkplätze. An der Front des Gebäudes war der eigentliche Kundenparkplatz. Die Straßenlaterne flackerte.
»Und was wollt ihr da drin?«
Emma verschränkte die Arme. »Warum fragst du das jetzt erst? Wir haben dir doch vorhin gesagt, was wir vorhaben.«
»Ich hab nicht geglaubt, dass ihr wirklich in den Markt einbrechen wollt. Ich dachte, ihr veräppelt mich.«
»Hab ich auch erst geglaubt, als Emma mir ihren Plan erzählt hat«, sagte Roxy. »Eigentlich kam ich nur auf einen Tee, weil ich bei meinen Eltern war.« Sie zuckte die in Leder gekleideten Schultern. »Gut, dass ich heute Schwarz trag.«
Bärbel ignorierte den Witz und zeigte zu der geschlossenen, etwas zerkratzten Tür. »Ihr wisst schon, dass Einbruch strafbar ist. Sogar in Bad Killingen.«
»Wir wollen Beweise sichern«, sagte Emma. »Wir filmen die Kameras, zeigen, dass keine Kabel dran sind, und fertig. Wenn Bloch dann nicht zugibt, dass Heidi nur ein Sündenbock war, geht das Video online. Dann muss er ganz schnell eine vollständige Sicherheitsanlage kaufen, und die SparWas-Chefs werden von seinem Leichtsinn auch nicht erfreut sein.«
Bärbel dachte noch nach. Dann: »Was sagen Lucy und Phil dazu?«
»Die sind unterwegs«, sagte Emma und wedelte mit der Hand. »Irgendwas mit einem Bild in einem Schloss in Österreich.«
Bärbel nickte langsam. Dann schüttelte sie den Kopf. Dann nickte sie wieder. »Fein. Ich komme mit rein.«
»Musst du nicht«, sagte Roxy. »Du hast einen Ruf als erfolgreiche Autohausinhaberin zu verlieren.«
Bärbel öffnete ihre Handtasche. »Ich filme auch. Dreifache Beweislast.« Sie grinste. »YouTube wird explodieren.«
Roxy kniete sich vor die Tür, zog eine Haarnadel aus dem Haar und fing an, im Schloss zu stochern. Emma sah gespannt zu. Bärbel sah auf die Uhr. Dann sah sie wieder auf Roxy. Dann nochmal auf die Uhr.
Nach drei Minuten räusperte sie sich.
Roxy stocherte weiter.
Nach vier Minuten sagte Bärbel: »Darf ich mal?«
»Ich habs gleich.«
Bärbel schob Roxy mit dem Knie sanft, aber bestimmt zur Seite, zog ihre eigene Haarnadel heraus und kniete sich vor das Schloss. Ihr Trenchcoat breitete sich hinter ihr auf dem Asphalt aus, wie das Cape eines Superhelden. »Meine Haarnadel ist besser als deine Haarnadel.«
Emma beobachtete, wie Bärbel das dünne Metallteil in den Zylinder schob. Ihr Gesicht hatte denselben konzentrierten Ausdruck wie damals, wenn sie bei Klassenarbeiten abschrieb. »Musste ich früher öfter machen, wenn meine Mutter uns aus der Wohnung ausgeschlossen hat, weil sie mal wieder einen zu viel … ihr wisst schon.«
Zwei Minuten. Dann ein Klacken.
»Da.« Bärbel stand auf und drückte die Tür auf.
»Phil hätte keine fünf Sekunden gebraucht«, sagte Emma.
Beide sahen sie an.
»Trotzdem gut gemacht«, sagte Emma schnell.
Sie traten ins finstere Lager. Es roch nach Pappe, Reinigungsmittel und kaltem Rauch. Emma schaltete ihr Handylicht an und entdeckte einen Eimer neben der Tür voller alter Kippen. Das Licht wanderte weiter über hohe Palettenregale und gestapelte Kartons.
Sie ging voran, denn sie war hier schon einmal gewesen. Damals zusammen mit Lucy. Die beiden hatten sofort gemerkt, was für einen liederlichen Charakter Gerd Bloch hatte. Er war der Typ, der seine Mitarbeiter am liebsten direkt vor der Kundschaft zur Schnecke machte und sich dann noch über mangelnde Motivation beschwerte.
Er war übrigens auch der Typ, der Affären mit Mitarbeiterinnen anfing. Bei dem Gedanken an seinen großen haarigen Bauch, als sie ihn in flagranti erwischt hatten, musste Emma sich unweigerlich schütteln.
Sie schlichen an den Kühlräumen vorbei. Die kleine unscheinbare Bürotür war noch am selben Platz, links von ihnen. Ihr Ziel war aber der Verkaufsraum, wo die Kameras von der Decke hingen.
Roxy blieb stehen und legte eine Hand auf Emmas Arm.
»Was ist?«, flüsterte Emma.
Emmas andere beste Freundin von zwei zeigte auf den Lichtstreifen, der plötzlich unter der Bürotür hin- und herzuckte.
»Da ist jemand drin«, flüsterte Emma.
»Bloch?«, fragte Bärbel leise.
»Mit einer Taschenlampe?«, zischte Roxy.
Bärbel hatte den Kopf eingezogen und der Kragen ihres Trenchcoats verdeckte die untere Gesichtshälfte. Sah irgendwie spionig aus, fand Emma.
Langsam schlichen die drei zu der Tür.
Da waren gedämpfte Stimmen. Das Schaben von schwerem Metall auf Beton. Ein hohes Motorengeräusch.
Emma schaltete ihre Handylampe aus. Wer auch immer da drinnen war, war nicht leise. Deshalb traute sie sich, die Hand an die Klinke zu legen und die Tür einen Spalt zu öffnen.
Roxy und Bärbel waren dicht hinter ihr. Die wollten natürlich auch was sehen.
Vier Männer drängten sich in dem winzigen Büro. Zwei hockten auf dem Boden vor dem Wandtresor, der hinter Blochs Schreibtisch stand. Ein Dritter leuchtete mit einer Stirnlampe. Der Vierte stand mit dem Rücken zur Tür, Arme vor der Brust, die Haltung von jemandem, der Wache hält, aber eigentlich darauf hofft, dass nichts passiert. Alle vier waren ziemlich muskulös und in schwarze Overalls gekleidet. Emma kannte keinen von ihnen.
Profis waren das jedenfalls nicht. Die würden keine Bohrmaschine verwenden, die laut genug war, um jedes Geräusch, das die Frauen machten, zu übertönen.
Und Profis würden der einzigen Tür ins Büro nicht den Rücken zudrehen.
Emma schloss trotzdem leise die Tür.
Die traten ein Stück zurück.
»Wir sollten verschwinden«, flüsterte Bärbel.
»Aber so was von«, zischte Roxy.
Emma zückte ihr Handy. »Aber vorher ruf ich Harry an.«
Sie brauchte nicht aufzusehen, um zu wissen, dass ihre Freundinnen mit den Augen rollten.
Sie tippte die Nummer ein. Das Freizeichen. Einmal. Zweimal.
»Polizeiwache Bad Killingen, Polizeiobermeister Klein am Apparat?«
»Harry, ich bin’s«, flüsterte Emma. »Wir sind im SparWas-Markt. Da sind …«
»Wieso seid ihr um diese Zeit im SparWas-Markt und wer ist wir?«
»Himmel, Harry! Das ist doch jetzt nicht wichtig. Wir …«
Die Bürotür flog auf.
Emma schreckte hoch und blickte in den Lichtstrahl der Stirnlampe. Sie sah die Hand nur schemenhaft, die auf sie herabfuhr. Sie wich zurück, aber nicht schnell genug. Das Handy wurde ihr aus der Hand geschlagen und flog in eine dunkle Ecke.
»Was zur Hölle?« Der Mann mit der Stirnlampe blendete sie an. »Anton! Hier ist Weibsvolk!«
»Hö!«, rief Bärbel empört.
»Lauft«, rief Roxy.
Und sie liefen.
Durch das Lager. Bärbel trat gegen einen Stapel Kartons mit Henkel Trocken. Der kollabierte und die Flaschen darin explodierten mit viel Lärm und Zischen. Schaum platzte aus den Kartons, gefolgt von dem Geruch von Alkohol. Emma nahm das nur am Rand wahr, weil sie in dem schlechten Licht mit der Schulter gegen ein Regal geprallt war.
Sie schrie auf. Dann krachte direkt vor ihr ein Pack Jägermeister auf den Betonboden.
Mehr Alkoholgeruch.
Roxy und Bärbel waren schon bei dem großen Tor zum Verkaufsraum.
Emma glaubte, eine Hand an der Schulter zu fühlen, schrie gleich nochmal und raste auf das Tor zu. Das schwache Notlicht an der Decke des leeren Marktes reichte gerade, um die Regalreihen zu erkennen.
»Weiß eine, wo hier der Notausgang ist?« Roxys Stimme kam atemlos hinter einem der Regale hervor. Emma glaubte von der linken Seite. Sie rannte um einen Stapel Milch und sah Bärbels Trenchcoat hinter einem Suppenregal verschwinden. Hinter ihr polterten mit schweren Stiefelschritten die vier Männer durch das Tor.
Was folgte, war die Situation, für die Gerd Bloch seine Regale offensichtlich nicht ausgelegt hatte.
Roxy warf im Vorbeigehen einen Ständer mit Grußkarten um. Er fiel mit dem Geräusch eines umstürzenden Metallbaums und streute Geburtstagskarten über den halben Gang. Emma, die zu den beiden aufgeholt hatte, sprang drüber. Hinter ihr fluchte eine tiefe Männerstimme laut.
Bärbel schaffte es, in einer Abbiegung gegen ein offenes Kühlregal zu stoßen, das zu schwingen anfing und eine Wanderung von Joghurtbechern in Gang setzte, die einer nach dem anderen die Kante herunterrollten und am Boden aufsprangen.
Emma hörte hinter sich ein Geräusch wie Gummi auf Glas, dann dumpfes Aufprallen, ein Schmerzensschrei, gefolgt von einem Fluch.
Emma jagte hinter den anderen durch die Körperpflegeabteilung, rutschte auf einem Fleck aus, den sie lieber nicht identifizieren wollte, fing sich wieder, und dabei fiel eine ganze Palette Shampooflaschen in einer langsamen, majestätischen Bewegung um.
Mehr Flüche hinter ihr.
Und ziemlich nah.
Dann hörte sie Roxy aufschreien. Sie war schon um das nächste Regal herum und Emma kam jetzt auch dort an.
Zwischen den Regalen für Tierfutter und Haushaltsreiniger hatte einer der Männer auf sie gewartet. Er kannte wohl eine Abkürzung durch das Auslagenlabyrinth. Roxy war zu schnell gewesen, um noch bremsen zu können. Sie kam direkt vor ihm zum Stehen, und er packte ihren Arm. Er war größer als sie.
Aber Roxy war gemeiner!
Sie machte keinen Versuch, sich loszureißen. Sie trat stattdessen mit voller Wucht zwischen seine Beine. Der Mann gab einen Laut von sich, der in keinem Wörterbuch stand, ließ los und sackte langsam an einem Regal mit Hundekuchen in die Knie.
Roxy wischte sich mit großer Geste den Arm ab. »Nicht anfassen, Alter.«
Bärbel zog sie mit, weil sie hämisch auf den winselnden Mann herabgrinste und so kostbare Zeit verlor.
Sie liefen weiter, durch die Getränkeabteilung, an den Tiefkühltruhen vorbei, bis Roxy den Notausgang neben der Bäckereiauslage fand. Eine schwere Stahltür, ein roter Griff. Sie drückte und die Tür flog auf in die Nacht.
Sie liefen weiter.
In die falsche Richtung.
Sie hatten die Seite gewählt, die zu den Müllcontainern führte, in einer schmalen Gasse, begrenzt von dem Gebäude und einem hohen Zaun mit dichten Hecken auf der anderen Seite. Der offene Parkplatz wäre auf der anderen Seite gewesen. Vor ihnen ragte eine hohe Bretterwand auf. Die großen Abfallbehälter standen nicht davor, denn dann hätten sie vielleicht daran hochsteigen und über die Bretterwand klettern können.
Aber so nett war Gerhard Bloch nicht. Er hatte die Container etwa zwei Meter entfernt an die Gebäudewand gestellt.
Sackgasse.
Emma drehte sich um.
Zu spät, den Fehler zu korrigieren.
Drei Männer stürmten aus der Notausgangstür.
Der Vierte humpelte hinterher, die Hand am Schritt.
Emma stellte sich neben Roxy, Bärbel auf der anderen Seite. Die vier Männer füllten die schmale Gasse.
Drei grinsten, einer winselte.
Die drei Freundinnen wichen zurück, bis sie mit dem Rücken gegen die Bretterwand stießen.
Vier muskulöse Männer gegen drei Frauen.
Selbst, dass eine von ihnen Roxy war, würde ihnen hier nicht viel helfen.
»Verschwindet«, rief Emma. Ihre Stimme hörte sich an wie ein Vögelchen vor der Katze.
Die Männer kamen näher.
Dann tauchten Scheinwerfer hinter ihnen auf.
Ein Auto fuhr an der Gasse vorbei. Die Straßenlaternen waren hier stark genug, dass Emma einen Polizeiwagen erkennen konnte.
Aber nur kurz, dann war es wieder verschwunden.
Roxy fluchte. Emma fluchte noch lauter. Bärbel seufzte.
Die Männer hatten sich nur kurz umgewandt und drehten sich jetzt wieder zu den Frauen.
Dann ein Quietschen, das Heulen von einem Wagen, der schnell im Rückwärtsgang fuhr.
Und schon tauchte das Polizeiauto wieder auf. Er kam mit einem Quietschen zum Stehen. Dann schwang die Fahrertür auf.
Die Männer drehten sich wieder um.
»Keine Bewegung, Polizei.«
Emma atmete erleichtert aus.
Harry stand mit gespreizten Beinen hinter der Motorhaube. Die Waffe hielt er mit beiden Händen. Sein Schnurrbart glänzte gefährlich im Licht der Straßenlampe.
»Emma, bist du in Ordnung?«
Die Waffe sank herab, weil Harry an den Einbrechern vorbeischauen wollte, um Emma zu sehen.
»Halt die Pistole oben, Harry«, rief Emma. »Maann!«
Sofort zuckte die Waffe wieder hoch. »Sorry.«
»Also«, sagte Roxy und ging auf die Männer zu, die schon brav die Arme erhoben hatten. »Ihr kniet euch jetzt hin und nehmt die Hände auf den Rücken.«
Die Männer taten das anstandslos. Harry war von der anderen Seite auf sie zugegangen. Der Vierte ächzte leise, als er die Knie beugte.
»Was seid ihr für Weiber?«, fragte er und verzog gleich wieder das Gesicht. Er blickte zu den Frauen hoch, die mit Harry vor ihnen standen. »Ich dachte, hier gibts keinen Wachschutz.«
Emma verschränkte die Arme. »Wir sind einfach nur aufmerksame Bürger.« Sie hob eine Augenbraue. »Und wir dulden keine Verbrechen in Bad Killingen.«
Roxy und Bärbel räusperten sich, aber nur so laut, dass die Männer es nicht hören konnten.
Kurze Zeit später saßen zwei Verbrecher auf dem Rücksitz von Harrys Polizeiauto und zwei auf dem von Polizeioberkommissar Weltes Privatwagen. Der sah sehr zufrieden drein und schrieb etwas in einen Berichtszettel.
Harry hatte ihm alles erklärt. Welte hatte die Frauen keines Blickes gewürdigt, nachdem er Emma erkannt hatte.
Die lehnten an der Wand des Supermarktes und wussten nicht so recht, was sie machen sollten. Harry kam aus der Notausgangstür und gab Emma ihr Handy zurück.
Emma wollte etwas sagen, aber dann sahen sie, wie ein Wagen auf den Parkplatz fuhr und hart bremste. Einen älteren Kombi, der nach dem Abwürgen noch dreimal hustete.
Gerd Bloch stieg aus. Jogginganzug, blass, der Blick von jemandem, der seinen Abend anders geplant hatte. Welte hatte ihn angerufen und erklärt, dass die Lage entschärft war.
Bloch sah zu dem Streifenwagen. Erblickte die Einbrecher. Welte stand bei seinem Auto und telefonierte mit dem Handy, wahrscheinlich hatte er den Tannentaler Boten dran, um seinen Erfolg zu melden. Er nickte Bloch abwesend zu und hob aber sofort einen Finger, um ihm zu zeigen, dass er wegbleiben sollte. Dann drehte er sich weg und sprach weiter ins Handy.
Bloch entdeckte Emma.
Er stolzierte mit durchgedrücktem Rücken auf die Frauen zu. Sein Bauch schwang arrogant hin und her. »Was geht hier vor, und was haben Sie …«
Kurz vor den Frauen blieb er wie angewurzelt stehen. Roxy hatte ihr Handy hochgehoben, sodass er den Bildschirm sehen konnte.
Und eins der Videos, das sie vorhin noch gemacht hatten.
»Es gibt drei Filme, die zeigen, dass die Kameras im SparWas-Markt von Bad Killingen nur Dummys sind«, sagte Bärbel.
Bloch starrte auf die Bilder. Es arbeitete in seinem Gesicht. »Attrappen haben eine abschreckende Wirkung auf …«
»… Heidi Triebswetter zum Beispiel«, sagte Emma. »Ein zwölfjähriges Mädchen, das auch ohne Kameras nichts stehlen würde.«
Blochs Augen wurden größer. Die dicken Backen roter. »Diese kleine miese Verbrecherin hat mich bestohlen.«
»Hat sie nicht«, sagte Emma. »Und das wissen Sie. Wenn Sie das nicht klarstellen, sieht morgen jeder diese Videos.«
Blochs Gesicht durchlief Zustände, die Emma an den Zeiger eines Metronoms erinnerten. Empörung, Berechnung, Empörung, Berechnung.
»Das ist Nötigung«, keuchte Bloch.
»Eindeutig«, sagte Roxy.
Bloch sah zu Harry, der mit dem Rücken zu ihnen stand.
Er presste die Lippen zusammen. Nickte einmal, kurz und unwillig, wie jemand, der verliert und es akzeptiert, weil die andere Option teurer wäre.
»Morgen früh«, sagte er. »Ich sage, die Aufnahme war undeutlich, aber mein Schwager hat sie verbessert und so konnte ich den echten Dieb erkennen.«
»Und Sie betonen, dass Heidi Triebswetter nichts gestohlen hat«, sagte Bärbel.
Er winkte ab. »Das kommt auf dasselbe raus.«
Emma wich keinen Zentimeter. »Nicht für Heidi Triebswetter.«
Bloch lies die Schultern sinken, dann nickte er.
Die Notausgangstür knarrte resigniert, als er sie öffnete und im Markt verschwand.
Emma blickte zu ihren Freundinnen.
Die grinsten.
»Hast du Johnnie Walker im Haus?«, fragte Roxy.
»Nö«, sagte Emma. »Aber einen leckeren Früchtetee.«




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